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CatwalkBei der Rezession 2008/9 hat sich erneut der Rocksaum-Satz bestätigt: Je trüber die Wirtschaftsaussichten, desto länger die Röcke. Zwar tragen immer weniger Frauen Röcke oder Kleider, sondern bevorzugen Hosen, doch waren dort, wo sie auftauchten, deutlich sinkende Rocksäume zu beobachten. Bei den Männern wurden die Krawatten ungewöhnlich oft gelockert oder ganz weggelassen. 72% gestehen inzwischen ohnehin, daß sie nicht dazu in der Lage sind, eine Krawatte zu binden. Ebenfalls seit 2008 ist in der Herrenmode der Trend prägnant, auf drei bis vier Knöpfe gearbeitete einreihige Sakkos von oben bis unten zu schließen. Sogar im Sitzen werden die Jacken immer öfter so getragen. In der Damenmode ist die Wiederbelebung des „Hosenanzugs” bemerkenswert. Der aus den 60er Jahren des XX. Jahrhunderts stammende Begriff bezeichnet bekanntlich ein einreihiges Jäckchen, zu dem im Unterschied zum Kostüm kein Rock, sondern eine Hose getragen wird. Die gegenwärtige Bundeskanzlerin tritt in dieser Aufmachung sogar bei offiziellen Anlässen auf. 1966 wurde eine damals populäre Künstlerin noch aus der Bar des unverändert hochangesehenen Hamburger Hotels „Atlantic” hinauskomplimentiert, als sie dort einen derart burschikosen Auftritt wagte. Inzwischen reist selbst die deutsche Bundeskanzlerin ganz zwanglos in Hosenanzügen um die Welt und tritt mit ihrer Vorstadteleganz auch vor die Souveräne der Deutschland eigentlich gewogenen arabischen Staaten, um ihnen dann noch - gewissermaßen als Gipfel der Insolenz - die Hand zur Begrüßung entgegenzustrecken. Die Gattin des neuen Bundespräsidenten hat einen interessanten Blick auf die zeitgemäße Gestaltung von Trauerfeiern gestattet. Sie saß beim Gottesdienst zum Gedenken an die Todesopfer eines mörderischen Volksfestgedränges in Duisburg mit ganz lässig übereinandergeschlagenen Beinen da. Ungebührlich fanden das in einer Umfrage unter 16 bis 65jährigen nur 14 Prozent.
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